Warum US-Staatsbürger in Deutschland bei der Geldanlage verzweifeln (und was Sie tun können)

PFIC Rule

Wenn Sie diesen Artikel lesen, haben Sie vermutlich eines von zwei Problemen: Entweder Ihre deutsche Hausbank hat Ihnen gerade freundlich aber bestimmt mitgeteilt, dass sie Ihr Depot schließen möchte. Oder Sie haben versucht, einen simplen ETF-Sparplan einzurichten, und Ihr Steuerberater hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.

Herzlich willkommen in der Realität von US-Expats in Deutschland.

Während andere Investoren über Renditen diskutieren, kämpfen US-Staatsbürger (und Green-Card-Holder) in Europa mit einem bürokratischen Monster, das zwei Köpfe hat: FATCA und PFIC.

In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen als Experte für internationales Steuerrecht, warum Sie sich fühlen, als säßen Sie zwischen zwei Stühlen – und wie Sie dort wieder wegkommen.

Problem 1: FATCA – Warum Sie keine Bank haben will

Das erste Hindernis ist nicht steuerlicher, sondern regulatorischer Natur. Der Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA) verpflichtet ausländische Banken dazu, Kontodaten von US-Personen direkt an die US-Steuerbehörde IRS zu melden.

Für deutsche Banken bedeutet das: Ein enormer bürokratischer Aufwand und ein hohes Haftungsrisiko. Ein Fehler in der Meldung kann die Bank Millionen kosten.

Die Konsequenz: Viele deutsche Banken und Online-Broker (Neobroker) haben schlichtweg keine Lust auf dieses Risiko. Sie lehnen US-Staatsbürger als Kunden für Wertpapierdepots pauschal ab („De-Risking“). Wer nur ein Girokonto will, hat oft noch Glück. Wer Vermögen aufbauen will, steht vor verschlossenen Türen.

Problem 2: Die PFIC-Falle – Warum europäische ETFs „giftig“ sind

Angenommen, Sie finden eine Bank, die Sie nimmt. Sie denken sich: „Super, dann kaufe ich einfach einen normalen MSCI World ETF, wie alle anderen auch.“

Tun Sie das bitte nicht.

Aus Sicht des US-Steuerrechts sind fast alle ausländischen Investmentfonds (dazu gehören deutsche/europäische ETFs, aber auch viele aktive Fonds) sogenannte Passive Foreign Investment Companies (PFIC).

Der IRS hasst diese Vehikel, weil er befürchtet, dass US-Bürger damit Steuerzahlungen aufschieben könnten. Deshalb werden PFICs extrem straf besteuert:

  1. Enorme Steuerlast: Gewinne werden oft nicht als Kapitalertrag (Capital Gains), sondern mit dem höchsten individuellen Einkommensteuersatz besteuert – und zwar rückwirkend für die gesamte Haltedauer.
  2. Strafzinsen: Dazu kommt eine Verzinsung auf die „gestundete“ Steuer, die so hoch sein kann, dass sie die gesamte Rendite auffrisst.
  3. Formular 8621: Das eigentliche Desaster ist die Bürokratie. Für jeden einzelnen PFIC-Fonds müssen Sie jährlich das IRS Formular 8621 ausfüllen. Die Berechnung der Steuerschuld ist so komplex, dass spezialisierte US-Steuerberater oft hunderte Dollar pro Fonds und pro Jahr für die Bearbeitung verlangen. Ein simpler ETF-Sparplan mit 3 ETFs kann Sie so 1.000 € zusätzliche Steuerberatungskosten im Jahr kosten.

Problem 3: Das PRIIPs-Dilemma – Warum Sie keine US-ETFs kaufen dürfen

Jetzt denken Sie vielleicht: „Okay, dann kaufe ich eben über mein deutsches Depot original US-ETFs (z.B. von Vanguard US). Die sind kein PFIC.“

Gute Idee, aber hier schlägt die EU zurück.

Seit der Einführung der PRIIPs-Verordnung (und MiFID II) dürfen in der EU keine verpackten Anlageprodukte an Kleinanleger verkauft werden, wenn kein deutschsprachiges Basisinformationsblatt (KID – Key Information Document) vorliegt.

Da US-Fondsgesellschaften diese KIDs für den europäischen Markt meist nicht erstellen (zu hohes Haftungsrisiko in den USA), blockieren deutsche Broker den Kauf von US-ETFs.

Zusammenfassung des Investment-Albtraums:

  • Sie dürfen keine EU-Fonds kaufen (wegen US-Steuerrecht / PFIC).
  • Sie dürfen keine US-Fonds kaufen (wegen EU-Recht / PRIIPs).
  • Viele Banken wollen Sie gar nicht erst als Kunden (wegen FATCA).

Gibt es einen Ausweg?

Ja, den gibt es. Aber er erfordert eine maßgeschneiderte Strategie. „Standardlösungen“ von der Stange funktionieren für US-Expats nicht.

Hier sind drei Ansätze, die wir in der Praxis oft prüfen:

1. Das Einzelaktien-Portfolio

Einzelaktien (z.B. Apple, Siemens, SAP) sind keine PFICs. Wenn Sie ein Depot bei einer Bank finden, die US-Bürger akzeptiert, können Sie sich ein diversifiziertes Portfolio aus Einzelwerten aufbauen. Das umgeht sowohl die PFIC-Strafsteuer als auch die PRIIPs-Problematik. Der Nachteil: Sie brauchen mehr Kapital, um breit zu streuen.

2. Spezialisierte US-Broker

Einige wenige US-Broker akzeptieren Kunden mit Wohnsitz in Deutschland. Dort können Sie US-ETFs kaufen. Hier müssen Sie jedoch extrem aufpassen, wie diese Erträge wiederum in Deutschland versteuert werden (Stichwort: Doppelbesteuerungsabkommen und Vorabpauschale).

3. Professionelle Beratung im internationalen Steuerrecht

Die Situation ist komplex, aber beherrschbar, wenn man die Regeln kennt. Das Schlimmste, was Sie tun können, ist, das Thema zu ignorieren. Der IRS erhält durch FATCA Daten über Ihre Konten. Wenn Jahre später auffällt, dass Sie PFICs gehalten und Formular 8621 nicht eingereicht haben, drohen empfindliche Nachzahlungen.

Als Steuerberater mit Spezialisierung auf internationales Steuerrecht helfen wir Ihnen, Ihre Vermögensstruktur so aufzusetzen, dass Sie auf beiden Seiten des Atlantiks ruhig schlafen können.

Sie sind US-Staatsbürger in Deutschland und wissen nicht, wie Sie investieren sollen? Lassen Sie uns Ihre Situation analysieren, bevor Sie teure Fehler machen. https://www.stb-thalmeir.de/kontakt/